Die Hawker Hunter J-4013 nimmt in der Schweizer Militärluftfahrt eine Sonderstellung ein. Während die restliche Hunter-Flotte als Rückgrat der Luftverteidigung und für Erdkampf-Einsätze konzipiert war, diente die J-4013 als das zentrale Instrument der Rüstungserprobung. Als spezialisiertes Testflugzeug der Gruppe für Rüstungsdienste (GRD) fungierte sie über Jahrzehnte hinweg als fliegendes Labor.

| Typ | Hawker Hunter Mk.58 (Exportversion) |
| Immatrikulation | J-4013 |
| Erstflug (Werk) | 07.12.1958 (Dunsfold, England) |
| Gesamteinsatzdauer | 1959 – 1995 |
| Flugstunden / Landungen | 1165 h / 660 Landungen |

Die technologische Bedeutung der Maschine manifestierte sich in einer Vielzahl von Testprogrammen:
- Lenkwaffensysteme: 1965 erfolgten mit der J-4013 die ersten Versuchsschiessen mit Sidewinder-Lenkwaffen. Diese fanden in Südschweden statt – explizit bevor das später bekannte Testgelände in Vidsel genutzt wurde. Später (ab 1982) validierte sie als erste Maschine den Einsatz der Luft-Boden-Lenkwaffe AGM-65 Maverick über dem Dammastock.
- Abwurfmunition: Erprobung von 400 kg Spreng- und Panzerbomben sowie Tiefangriffsbomben (TABO) am Segnespass und im Val Nalps. Der Schiessplatz Axalp wurde hierbei bewusst gemieden, da die Splitterwirkung der schweren Bomben für die dortige Topographie zu gefährlich war.
- Aerodynamik und Speed: Um das Flugverhalten mit neuen Aussenlasten wie den vergrößerten 675-Liter-Zusatztanks sicherzustellen, wurde die J-4013 von Piloten wie Walter Spychiger regelmässig im Stechflug über Mach 1.0 gejagt.

Als fliegender Prüfstand unterschied sich die J-4013 sowohl technisch als auch optisch signifikant vom Flottenstandard. Sie diente als Prototyp für Avionik-Upgrades, die später für die gesamte Truppe übernommen wurden:
- Avionik-Suite: Integration des Saab-Bombenzielgeräts BT9 H, des Melpar-AN/APR39 Radarwarnempfängers sowie der Chaff- und Flare-Dispenser von Tracor (AN/ALE40).
- Messinstrumentierung: Installation spezialisierter Aufzeichnungsgeräte für Flugparameter und variabler Kamerasysteme zur Dokumentation der Waffenabgänge.
- Visuelle Merkmale: Zur besseren Sichtbarkeit bei Testflügen trug sie orangefarbene Leuchtmarkierungen. Einzigartig ist das Enzian-Motiv auf der Unterseite. Dieses Design, das dem Flugzeug eine unverwechselbare Identität verlieh, stammte vermutlich vom damaligen GRD-Cheftestpiloten Jean Brunner – eine ästhetische Hommage in Analogie zur berühmten „Blüemli-Mirage“ J-2201.

Nach ihrem letzten Flug am 23. November 1995 wurde die J-4013 als technisches Kulturgut von nationalem Rang eingestuft. Nach einer Einlagerung bei der Max Dätwyler AG in Bleienbach (1996–2017) wurde sie 2018 in die Sammlung des Militärmuseums Wildegg (MMW) überführt.
Quelle:
SkyNews.ch – Ausgabe Mai 2018





